„Es geht nicht nur um Fledermäuse“

Ortsumgehung Mörlenbach - Regionalversammlung Südhessen ebnet Weg für O2 - Weiherer fühlen sich überfahren

VON BRIGITTE BÄRENZ

FRANKFURT/MÖRLENBACH. Die Auseinandersetzung um die Ortsumgehung Mörlenbach geht in die nächste Runde. Nachdem die Regionalversammlung Südhessen während ihrer Sitzung gestern Nachmittag im Frankfurter Römer wie zuvor der Haupt-und Planungsausschuss mehrheitlich für die oberirdische Variante O2 stimmte, könnte damit ein weiteres Kapitel in der unendlichen Geschichte der B 38a beginnen.

Nicht nur der BUND und andere Naturschutzverbände haben bereits im Vorfeld angekündigt, die geplante Trasse zu beklagen, auch betroffene Landwirte aus Mörlenbach und den Ortsteilen drohen mit Gegenwehr. Sie müssten nicht nur einen Großteil der rund 80 000 Quadratmeter zur Verfügung stellen, die für den Bau der O2 benötigt werden, sondern darüber hinaus auch Ausgleichsflächen.

In der Sitzung der Regionalversammlung lobte der Rimbacher Bürgermeister Hans-Jürgen Pfeifer (SPD) die gründliche Abwägung des Amts für Straßen-und Verkehrswesen (ASV) Bensheim sowie des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt, die damit den Weg für eine Lösung der Verkehrsprobleme im Weschnitztal geebnet hätten. Von den Behörden in der Abwägung nicht berücksichtigt wurde aber der Umstand, dass sich einige Landwirte in ihrer Existenz bedroht sehen.

Langklingerhof ist in seiner Existenz bedroht

Von den Auswirkungen der O2 besonders betroffen wäre der Langklingerhof zwischen Mörlenbach und Weiher. „Viele der Flächen, die dem Bau der Umgehung zum Opfer fallen würden sind zwar nicht in unserem Besitz, aber wir haben große Teile davon gepachtet, und wir brauchen dieses Land zum Überleben. Das ist hier wohl niemandem bewusst“, kommentierte Gerhard Wagner die Entscheidung des Gremiums.

„Es geht doch hier nicht nur um Fledermäuse, Schmetterlinge und Vögel,“ ergänzte ein anderer Bürger aus Weiher, der die gestrige Sitzung verfolgt hatte. „Es geht vor allem um Menschen.“ Natürlich waren Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Bürger für Weiher und des kürzlich gegründeten Vereins Bürgerinitiative Weiher nach Frankfurt gereist - dass in den Stellungnahmen der O2-Befürworter aber der Eindruck erweckt wurde, der Protest gegen die oberirdische Variante formiere sich lediglich in den beiden Gruppierungen, wollten die Weiherer nicht auf sich sitzen lassen.

„Wir vertreten nicht nur zwei Vereine, sondern die Bevölkerung von zwei Ortsteilen,“ stellte Reinhold Bangert klar, „denn Kreidach wird ebenso wie Weiher unter den Folgen der O2 zu leiden haben.“ Wie die Sprecherin der Grünen Marianne Streicher-Eickhoff und FDP-Vertreter Frank Sürmann, der selbst in Weiher wohnt, ist auch er der Auffassung, dass im Zuge der Planung mögliche Alternativen nicht ausreichend geprüft wurden.

Die beiden Sprecher hatten mit einer erheblichen Geräuschkulisse zu kämpfen. Auch dafür hatten die Weiherer keinerlei Verständnis. „Es spricht wohl kaum für die Seriosität dieses Gremiums, wenn einige Abgeordnete während der Verhandlung über eine derart wichtige Entscheidung Zeitung lesen, Rätsel lösen oder sogar schlafen,“ monierte Manfred Kastner. Tatsächlich waren einige Fraktionsmitglieder, vor allem aus den Reihen der CDU und der SPD, während der Beiträge der Kritiker nicht ganz bei der Sache - wohl aber, als zur Abstimmung aufgerufen wurde.

Keine Mehrheit für Frank Sürmanns Ergänzungsantrag

Wie erwartet, wurde der Ergänzungsantrag von Frank Sürmann mit Stimmenmehrheit der SPD und der CDU abgelehnt. Er hatte eine Wiederaufnahme des Raumordnungsverfahrens vorgeschlagen, in dem die Tunnelvarianten noch einmal einer Prüfung unterzogen werden sollten.

Mit dem gleichen Stimmenverhältnis wurde der vom Regierungspräsidium Darmstadt vorgeschlagenen Abweichung vom Regionalplan Südhessen zugestimmt, um das Planfeststellungsverfahren für die O2 in die Wege zu leiten. Lediglich ein Vertreter der SPD enthielt sich der Stimme. Das RP hatte indes keine Möglichkeit zu einem anderen Ergebnis zu kommen, da das ASV - wie mehrfach berichtet - lediglich mit der O2 in das Raumordnungsverfahren eingetreten war. Darauf und auf die damit einhergehende Rechtsunsicherheit hatte Sürmann zuvor nachdrücklich hingewiesen.

Vom Ausgang der Abstimmung waren die Weiherer indes nicht überrascht. „Damit hatten wir gerechnet,“ so der einhellige Kommentar. Gleichzeitig kündigten sie an, die Verbände und Privatpersonen zu unterstützen, die gegen den Bau der O2 gerichtlich vorgehen werden.

Damit wird sich der Graben, der sich schon jetzt zwischen Weiher und Mörlenbach auftut, wohl noch weiter vertiefen. Das zeigte sich gestern nach der Sitzung, an der auch der Mörlenbacher Bürgermeister Lothar Knopf, Bauamtsleiter Rainer Mücke, zwei Vertreter der CDU und ein Mitglied der Bürgerinitiative „Pro B 38a“ als Zuhörer teilnahmen. Ein gemeinsames Foto mit den Bürgern aus Weiher, wurde von den beiden Christdemokraten rigoros abgelehnt.

(Starkenburger Echo, 26.02.2005)

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