Lobby für einen gebeutelten Ortsteil

Vereinsgründung - BIW stellt in der „Music-Hall“ Weiher Anliegen und Ziele vor - Unterstützung für Beschwerdeführer

VON BRIGITTE BÄRENZ

WEIHER. Das Vertrauen der Bevölkerung in Weiher in die Seriosität von Behörden hat in den zurückliegenden Monaten erheblich gelitten. Die Entscheidungsprozesse rund um die Ortsumgehung Mörlenbach und die damit einhergehende Favorisierung der oberirdischen Variante O2, hatte bereits vor Monaten einen tiefen Graben zwischen den Bürgern des Ortsteils auf der einen Seite sowie den Entscheidungsträgern in der Kommune und in den Ämtern auf der anderen Seite aufgeworfen. Der Genehmigungsbescheid für die Erweiterung des Steinbruchs in Mackenheim brachte das Fass schließlich zum Überlaufen.

„Wenn eine Behörde so stur auf berechtigte Belange der Bevölkerung reagiert und denen, die Widerspruch einlegen auch noch mit horrenden Rechnungen droht, darf man sich doch zu Recht fragen, ob da nicht ‚offene Hände‘ im Spiel sind,“ war das Fazit eines Bürgers, der sich am Montag in der Weiherer „Music-Hall“ über die Ziele und Aktivitäten des neu gegründeten Vereins „Bürgerinitiative Weiher, Verein zur Förderung des Erhalts der heimatlichen Kultur- und Erholungslandschaft im Weschnitztal und vorderen Odenwald“ (BIW) informierte. Er war nicht der einzige, der an diesem Abend den Verdacht äußerte, dass dem Genehmigungsbescheid für die Steinbrucherweiterung möglicherweise mit Schmiergeldern nachgeholfen worden sei.

Wichtige Faktoren wurden außer Acht gelassen

Dass bei den Untersuchungen im Vorfeld wichtige Faktoren außer Acht gelassen wurden, hatte zuvor bereits der aus Weiher stammende Physikprofessor Alois Göpfert moniert. Er hatte auf Wunsch der Bürgerinitiative gegen die Steinbrucherweiterung in Mackenheim in den zurückliegenden Wochen eigene Berechnungen hinsichtlich einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch radioaktiv belastete Stäube angestellt, und war dabei zu einem völlig anderen Ergebnis gelangt als die zuständige Behörde beim Regieningspräsidium Darmstadt. Als fragwürdig bezeichnete er auch die Untersuchungsergebnisse über Staubemissionen, für die Messwerte aus Fürth und Michelstadt herangezogen worden waren. Gleiches gilt nach seiner Einschätzung für die Angaben zu Windrichtungen, die mit Zahlen aus Vielbrunn im hinteren Odenwald errechnet wurden.
Zwar wurden diese Mitteilungen von den Zuhörern mit Gelächter quittiert, aber eigentlich ist den Weiherern schon längst das Lachen vergangen. Nach dem Willen der politischen Entscheidungsträger sollen sie nicht nur die negativen Auswirkungen schultern, die die Anbindung der L3120 an die O2 zwischen Mörlenbach und Weiher nach sich zieht, zusätzlich zu dem dann zu erwartenden Anstieg der Pendlerströme aus dem Überwald, sollen sie auch noch einen Zuwachs des Schwerlastverkehrs verkraften.

Interessierte Zuhörer informierten sich am Montag in der Weiherer „Music-Hall“ über die Ziele des neuen Vereins BIW. Foto: Karlheinz Köppner

Die Einspruchsmöglichkeiten der Weiherer sowohl gegen die Steinbrucherweiterung als auch gegen die O2 sind indes gering, da sie in beiden Verfahren nicht als direkt Betroffene gewertet werden. Bisherige Versuche, den Projekten auf kommunalpolitischem Entscheidungsweg Einhalt zu gebieten, scheiterten an der Haltung der Mehrheit in der Mörlenbacher Gemeindevertretung.

Dies trifft zumindest auf die Ortsumgehung zu. Allen Protesten aus Weiher zum Trotz - der Ortsbeirat hatte sich einstimmig für die Tunnelvariante W 4 ausgesprochen -, hatte sich der höchste Souverän der Gemeinde, mit Ausnahme der Grünen, der FDP und einiger „Abtrünniger“ aus den übrigen Fraktionen, für die O2 ausgesprochen.

Die Parlamentarier zeigten sich auch unbeeindruckt von der Unterschriftenaktion der Arbeitsgemeinschaft Bürger für Weiher (ABW), an der sich über hatten. Lediglich die Rücknahme des Widerspruchs der Gemeinde Mörlenbach gegen den Genehmigungsbescheid für die Erweiterung des Mackenheimer Steinbruchs konnte in letzter Minute abgebogen werden.

Dieses Zugeständnis an den gebeutelten Ortsteil konnte dem Vertrauensverlust der Weiherer in die Mandatsträger jedoch nicht entgegenwirken. Eher im Gegenteil - dass sich Bürgermeister Lothar Knopf Rückendeckung bei seinen Amtskollegen im Weschnitztal und im Überwald holte, die er nach Berichten von Alois Göpfert bei der Sitzung des Haupt- und Planungsausschusses der Regionalversammlung Südhessen als gewichtiges Argument in die Waagschale für die O2 warf - dafür haben die Weiherer überhaupt kein Verständnis. „Es handelt sich hier doch um eine innerörtliche Angelegenheit, in die sich die Nachbargemeinden nicht einmischen sollten,“ kommentierten einige den Schulterschluss der Gemeindeoberhäupter - dies auch vor dem Hintergrund, dass die Variante O2 auch nicht bei allen Bürgern in der Nachbarschaft auf Gegenliebe stoße.

Verein ist auf viele Mitglieder angewiesen

Tatsächlich haben sich dem neuen Verein auch Bürger aus den Nachbargemeinden angeschlossen, berichtete BlW-Vorsitzender Willi Kleemann. Nun sei es aber wichtig, weitere Mitglieder zu gewinnen, um die Anliegen der BIW besser vertreten zu können. Eine der Bestrebungen des Vereins ist die Unterstützung von Privatleuten und Organisationen, die sich auf dem Klageweg gegen die Steinbrucherweiterung und die Ortsumgehung zur Wehr setzen wollen. Da sie mit erheblichen Kosten rechnen müssen, wolle der Verein den Beschwerdeführern auch finanziell unter die Arme greifen, betonte Kleemann.

Dazu reiche der niedrig gehaltene Mitgliedsbeitrag von zwölf Euro allerdings nicht aus, räumte der Vorsitzende ein, der Verein hoffe auf Grund der Anerkennung der Gemeinnützigkeit aber auf Spenden aus der Bevölkerung. Mit einem Zitat von Erich Kästner - „Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken“ -forderte Kleemann die Anwesenden zum Beitritt in den Verein auf.

(Starkenburger Echo, 23.02.2005)

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