Raumordnungsverfahren kann beginnen
Mörlenbacher Parlamentarier geben Vorschlagstrasse für Ostumgehung grünes Licht
MÖRLENBACH (bb). Dieter Engel vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Bensheim sprach von einer Jahrhundertentscheidung für Mörlenbach, mahnte bei aller notwendigen Gewissenhaftigkeit aber auch zur Eile. Anlass für die Bemerkung war die erneute Diskussion die sich am Dienstag während der Gemeindevertretersitzung im Bürgerhaus um die, vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen favorisierte Ostumgehung (O2), entfachte. Auf die erneut vorgebrachten Bedenken reagierten auch einige Partamentarier mit Kopfschütteln, nicht zuletzt weil das Gremium bereits im Mai 1998 einen Grundsatzbeschluss für die Umgehung Mörlenbachs im Osten gefällt hatte.
Schon damals hatten die Grünen Bedenken angemeldet, die Gerhard Ohlig am Dienstag noch einmal untermauerte. Zunächst stellte er jedoch klar, dass die Grünen und Naturschutzverbände in den vergangenen Jahren zu Unrecht als Verhinderer der Umgehungsstraße dargestellt worden seien. „Jeder hier weiß, dass wir uns stets für eine Trasse ausgesprochen haben,“ betonte Ohlig, die Grünen hätten allerdings für eine umweltverträgliche Lösung plädiert. Der Faktor Naturschutz sei aber in der nun vorgelegten Variante O2 nicht ausreichend berücksichtigt worden, so Ohlig. Als wichtigstes Argument brachte er den enormen Flächenverbrauch zur Sprache. Es könne schwierig werden, genügend Ausgleichsflächen zu schaffen. Dieses Problem bliebe der Gemeinde bei einer Untertunnelung Mörlenbachs, wie in der Variante W4 vorgesehen, erspart. Zwar sei dann die Anbindung der L 3120 in Richtung Weiher nicht möglich, der Verkehrsfluss in diese Richtung betrage aber ohnehin nur neun Prozent, die mit der Ausweisung einer abknickenden Vorfahrt von und nach Weiher am Einkaufszentrum schneller durch den Ort geschleust werden könnten.
Ohlig gab außerdem zu bedenken, dass mit dena jetzigen Trassenverlauf der Langklinger Hof übermäßig belastet werde und dies zu wirtschaftlichen Einbußen des Betriebs führen könne. Weiter monierte er, dass an den Anbindungspunkten an die alte B 38 keine Kreisverkehre ausgewiesen worden seien, die zu einer deutlichen Verbesserung des Verkehrsflusses führen könnten. „Wir sind der Meinung, dass es sinnvoller wäre, mit beiden Varianten, also W4 und O2 in das anstehende Raumordnungsverfahren zu gehen, um uns die Option für den umweltverträglicheren Tunnel zu erhalten, auch wenn dieser 21 Millionen Mark teurer ist. Diese Mehrausgaben sind in Anbetracht der enormen Landschaftszerstörung unseres Erachtens nach mehr als berechtigt,“ so Ohlig abschließend.
Auch Frank Sürmann (FDP) befasste sich noch einmal mit den Vor- und Nachteilen der beiden Varianten, wobei er insbesondere auf die Zerstörung des Landschaftsbildes durch den Bau der O2 hinwies. Er werde sein Votum deshalb davon abhängig machen, inwiefern die O2 noch variabel gestaltet werden könne. Peter Melzer (UFW) nannte ebenfalls einige Aspekte, die seiner Ansicht nach für eine Untertunnelung sprechen. Zum einen seien dann Einwände der Naturschutzverbände nahezu ausgeschlossen, zum anderen könne diese Trasse erheblich schneller realisiert werden. Dagegen spreche der Stickoxidausstoß aus dem Tunnel und die höheren Unterhaltungskosten für einen Tunnel.
Reinhold Redig (Bürgervereinigung), Tobias Fraas (SPD) und Eugen Weber (CDU) äußerten indes keine Bedenken gegen die Vorschlagstrasse des Amtes für Straßen und Verkehrswesen. Natürlich könnten an einigen Punkten noch Verbesserungen vorgenommen werden, so Weber, diese schon jetzt vorzubringen sei allerdings verfrüht.
Dies wurde auch von Dieter Engel bestätigt, der zu Beginn der Sitzung noch einmal alle notwendigen Schritte erläuterte. Dabei drängte er auf eine schnelle Entscheidung um möglichst bald in das Raumordnungsverfahren treten zu können. Andernfalls müsse die Gemeinde mit einer weiteren, erheblichen Verzögerung rechnen. Änderungswünsche könnten ohnehin erst im Planfeststellungsverfahren berücksichtigt werden. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass es nicht möglich sei, zwei Vorschlagstrassen einzureichen.
Gegen die Stimmen der Grünen erteilten die Gemeindevertreter der Vorschlagsvariante O2 ihre Zustimmung.