Umgehungsstraße und Steinbruch sind die beiden Hauptthemen

Die Bürgerinitiative Weiher (BIW) informierte über ihre Ziele und Vorstellungen / Gerüstet für den „Klageweg“

Weiher. (La.) Sie kommen aus Weiher, Mörlenbach, Zotzenbach und Mackenheim, die 16 Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative Weiher, kurz BIW genannt. Bei ihrer ersten Informationsveranstaltung in der „Music Hall“ in Weiher stießen sie auf breites Interesse.

In der voll besetzten Halle verwies der Vorsitzende Willi Kleemann auf die Zielsetzung des gemeinnützigen Vereins, der sich dem Schutz und der menschenfreundlichen Gestaltung der Region verpflichtet fühlt. Das bedeutet in Konsequenz die Erhaltung der naturnahen Landschaft und den Erhalt von bäuerlicher Kulturlandschaft, Wald und naturnahen Landschaftsbestandteilen.

Diese Lebensgrundlagen und die damit verbundene Lebensqualität würden jedoch durch eine Ostumgehung O2 und die bereits genehmigte Steinbrucherweiterung in Mackenheim in Frage gestellt. Etliche der Mitglieder kommen aus der Arbeitsgemeinschaft „Bürger für Weiher“ (abw), die sich gegründet hatte, weil sie bei den jüngsten Entwicklungen und Entscheidungen in Mörlenbach die Interessen ihres Ortsteils nicht ausreichend berücksichtigt glaubt. Die Gründung eines gemeinnützigen Vereins hat auch mit der Tatsache zu tun, dass Klagen unausweichlich scheinen. Am kommenden Freitag erfolgt in Frankfurt der Planfeststellungsbeschluss zur O2 als alleinige Alternative. Damit sei klar, dass der Planfeststellungsbeschluss von existenzbedrohten Landwirten beklagt werden wird.

An der Veranstaltung in der Music-Hall nahm auch der gesamte Ortsbeirat teil, dessen Einsatz in besonderer Weise gewürdigt wurde. Die beiden Referenten des Abends, Professor Dr. Göpfert und Rechtsanwalt Reinhold Bangert, gaben noch einmal einen Überblick zu den Varianten O2 und W4 und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Verkehrsentwicklung, wie auch das bisherige Verfahren erläutert wurde.

Die Tunnelvariante durch Mörlenbach mit einer Verkehrsführung der Überwald-Pendler über die Rennstrecke zum Tunnel ist nach ihrer Meinung die beste Lösung für alle, denn sie entlaste Mörlenbach, Weiher und Kreidach gleichermaßen, anders als die O2. Für die W4 spräche außerdem, dass eine sofortige Realisierung möglich sei, weil man davon ausgehen könne, dass nicht geklagt werde.

Groß war das Interesse beim Info-Abend der neuen „Bürgerinitiative Weiher“ am Montag.
Professor Dr. Alois Göpfert informierte über deren Ziele und Vorstellungen zur Ortsumgehung
von Mörlenbach und zum Steinbruch in Mackenheim. Bild: Gutschalk

Die bereits genehmigte Steinbrucherweiterung, die eine Verdoppelung der bisherigen Fördermenge bringen soll, war im wahrsten Sinne des Wortes das heiße Thema des Abends. Einerseits fürchtet man die Auswirkungen durch den vermehrten Lkw-Verkehr auf die Menschen und die Bausubstanz der Häuser - man hat Informationen, dass die Betreiber eine Abbaugenehmigung bis 22 Uhr nachts haben.

Andererseits steht die von Professor Dr. Göpfert durchgeführte Dosisabschätzung der Strahlenbelastung durch den Mackenheimer Steinbruch nach wie vor im Raum. Selbst abzüglich des Fehlers in der Berechnung, den Göpfert nicht zu verantworten habe, ergebe sich eine Urankonzentration, die eine Genehmigungsfähigkeit für den Steinbruch fraglich erscheinen lasse.

Seit 30 Jahren sei der Steinbruch Mackenheim als Uranlagerstätte bekannt. Trotz erheblicher Uranvorkommen, nachgewiesen worden seien bislang fünf Prozent, erscheine diese Tatsache nicht in den Antragsunterlagen der Porphyrwerke zur Erweiterung des Steinbruchs, wurde kritisiert. Dass das Regierungspräsidium zur Risikoabschätzung des Steinbruchs Staubkonzentrationen in Fürth und Michelstadt zugrunde lege, sei nicht hinnehmbar.

Deshalb wird eine abbaubegleitende Untersuchung gefordert, weil das vom Betreiber als abbauwürdig bezeichnete Gestein zum Teil unter mehr als 30 Metern minderwertigem Gestein und Erde verdeckt sei. Mit Nachdruck will man sich dafür einsetzen, dass die Strahlenbelastung für die Mackenheimer und Abtsteinacher Bevölkerung untersucht wird. Dass das Regierungspräsidium die meisten privaten Widerspruchsführer mit der Androhung von erheblichen Kosten zur Rücknahme des Widerspruchs genötigt habe, sorgte für weitere Empörung im Saal, aber auch für ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Nicht auszuschließen sei, dass auch die Weiherer durch den Uranstaub gefährdet sind. Da es sich bei den in den Lkw transportierten Materialien zum Teil um Steinmehl handle, könne es im Fahrtwind zu Verwirbelungen kommen. Zwar gebe es ein Bundesimmissionsgesetz, aber es habe eine Lücke, so dass Steinbrüche durch die Strahlenschutzverordnung fielen.

Gemäß dem Motto „wer gar nichts macht, hat gleich verloren“ ermunterte Professor Göpfert abschließend die Anwesenden, sich in die Mitgliederlisten der Bürgerinitiative Weiher einzutragen. Bei einem sehr niedrig gehaltenen Jahresbeitrag hofft man auf zahlreiche Mitglieder.

(Odenwälder Zeitung, 23.02.2005)


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