„Radioaktive Belastung durch den Steinbruch ist nicht geklärt“
BUND-Kreisverband fordert vom Regierungspräsidenten Messungen in Mackenheim
durch ein unabhängiges Institut
Mackenheim. (-) „Es kann nicht sein, dass die Einschätzung der radioaktiven
Belas-tung der Bevölkerung und des Personals durch den Betrieb des Mackenheimer
Steinbruchs lediglich auf Annahmen und Berechnungen zurückgeführt
wird“, erklärt der BUND-Kreisverband Bergstraße. Deshalb habe
sich BUND-Landesvorstandssprecher Herwig Winter an das Darmstädter Regierungspräsidium
gewandt mit der Forderung nach konkreten Messungen vor Ort. Diese müssten
von einem unabhängigen Institut durchgeführt werden; die Kosten dafür
seien allerdings vom Steinbruchbetreiber zu tragen.
Es gehe dabei darum, die beim Steinbruchbetrieb emittierten Feinstäube über
den Zeitraum der Abbautätigkeit hinweg auf den Gehalt von radioaktivem
Material zu überprüfen und insbesondere auf das Vorhandensein von
Alpha-Strahlern wie Uran zu analysieren. Denn bei der Aufnah-me in den Körper
von Stoffen, die Alpha-Strahlen abgeben, sei der menschliche Organismus besonders
stark gefährdet. Da lange bekannt sei, dass im Gestein des Mackenheimer
Steinbruchs Uranerz enthalten sei, wäre eine solche Untersuchung eigentlich
längst fällig gewesen. Spätestens im Zusammenhang mit der Genehmigung
der Erweiterung hätte die Bevölkerung im Umfeld des Steinbruchs,
aber auch das in besonderem Maß betroffene Steinbruchpersonal ein Anrecht
darauf gehabt, dass diesem Belang Rechnung getragen wird.
Doch noch sei es
nicht zu spät, noch sei Regierungspräsident Gerold Dieke in der Lage,
entsprechende Maßnahmen zu treffen, ehe der Genehmigungsbescheid rechtskräftig
werde. Mutigen Bürgern vor Ort sei es ebenso wie dem BUND zu verdanken,
dass Widersprüche gegen den Genehmigungsbescheid aufrecht erhalten würden.
Die Gemeinde Mörlenbach fordere der BUND auf, nicht in gleicher Weise
wie die Nachbargemeinde Abtsteinach „das Wohl der eigenen Bürger
vermeintlichen finanziellen Vorteilen zu opfern und ihren Widerspruch gegen
die Steinbrucherweiterung nicht zurückzuziehen“.
Anstatt mit hohen Bearbeitungskosten für die Widersprüche zu drohen,
sollte nach Auffassung des BUND Regierungspräsident Dieke seine Beamten
anweisen, ihrer Pflicht zur Fürsorge für die vom Steinbruchbetrieb
betroffenen Menschen Genüge zu tun und die gesetzlichen Grundlagen dahingehend
auszuschöpfen, dass vor einer endgültigen Erweiterungsgenehmigung
und auch während des Steinbruchbetriebs der Schutz vor radioaktiv belasteten
und damit gesundheitsgefährdenden Feinstäuben gewährleistet
sei. Das bedeute auch, dass der Steinbruch zu schließen sei, wenn die
Menge des Gehalts an Uranerz bei dem geförderten Gestein zu einer Gefährdung
von Menschen zu führen drohe. „Die Gesundheit der Menschen im Umfeld
des Mackenheimer Steinbruchs sollte den zuständigen politischen Entscheidungsträgern
vor den Profitinteressen des Betreibers gehen“, erklärt der BUND.
(Odenwälder Zeitung, 18.02.2005)