„Stehen wie ein Mann dagegen“
Mitglieder der Regionalversammlung in Weiher informiert
Weiher, (arn) Am kommenden Freitag wird der Haupt und Planungsausschuss der Regionalversammlung über das Thema „Ortsumgehung Mörlenbach“ beraten, eine Woche später die Regionalversammlung selbst. „Die Unterlagen, die den Mitgliedern dabei zur Entscheidungsfindung vorliegen, sind sehr einseitig“, kritisiert Gerhard Ohlig von den Mörlenbacher Grünen. Sie ließen im Grunde nur eine Entscheidung pro Ostumgehung (O2) zu und die Tunnelvariante (W4) außer Acht, bemängelt der Kommunalpolitiker. Deshalb hatte Ohlig am Montag Mitglieder der Regionalversammlung nach Weiher eingeladen, um ihnen die Aspekte zu erläutern, die nach Ansicht der W4-Befürworter für eine Tunnellösung sprechen.
Rund eine Stunde lang brachte Professor Alois Göpfert den Gästen die Argumente gegen die O2 näher, unterlegt mit reichlich Bild und Zahlenmaterial. Eines ließ er, ebenso wie Weihers Ortsvorsteher Heinz Berbner, dabei außer Zweifel: „Weiher steht wie ein Mann gegen die Ostumge-hung und wird alle Mittel ausschöpfen, um diese zu verhindern.“ Will heißen: Sollte die Umsetzung der O2 beschlossen werden, dann wird das Thema „B 38a" mal wieder die Gerichte beschäftigen. „Dagegen wird gegen die W4 kein rechtliches Vorgehen möglich sein“, fügte Herwig Winter vom BUNDKreisverband an. Sie bedrohe weder landwirtschaftliche Existenzen noch stelle sie einen direkten Eingriff in die Belange von Anliegern dar.
Die Weiherer fürchten eine Ostumgehung, weil sie durch diese eine extreme Zunahme des ohnehin schon überaus starken Verkehrs in der Ortsdurchfahrt erwarten. Die Anbindung an die B 38a zwischen Weiher und Mörlenbach würde, da sind sich die O2-Gegner sicher, den Verkehr aus dem Überwald auf der L 3120 bündeln und somit Weiher (aber auch Kreidach) den Verkehrskollaps bescheren. Hinzu komme, dass der motorisierte Verkehr aus dem Neckartal, der bislang noch einen Bogen ums Weschnitztal macht, diese neue Strecke dann auch nutzen würde.
Die Alternative, so Göpfert, könne die L 3401 (die so genannte Rennstrecke) sein. Auf diese müsse, in Verbindung mit der Untertunnelung Mörlenbachs, besagter Verkehr aus dem Überwald umgeleitet werden. Widerspruch erntete Göpfert dabei freilich von Rimbachs Bürgermeister HansJürgen Pfeifer, der auf die eindeutigen Signale aus Wiesbaden verwies, die eine Nutzung der L 3401 in diesem Sinne ausschließen. Auch in der Rimbacher Gemeindevertretung gebe es hierzu eine klare, negative Haltung.
Gleichwohl war die Liste an Argumenten lang, die Göpfert präsentierte. Nutzen, Kosten, Machbarkeit: in all diesen Aspekten habe die W4 keine Nachteile gegenüber der O2. Dafür sei die Tunnelvariante die umweltverträglichste aller möglichen Lösungen, wogegen die Ostumgehung in dieser Statistik unter „ferner liefen“ auftauche. Immerhin zerschneide sie ein Naherholungsgebiet und beinhalte massive Brücken und Tunnelbauwerke.
Herwig Winter ergänzte, dass es beispielsweise in Bezug auf das Artenschutzgesetz bei der O2 noch einige Unwägbarkeiten gebe. „Wenn sich herausstellt, dass es bedrohte Arten in diesem Gebiet gibt, dann ist die Trasse gestorben“, glaubt er. Um in diesem Fall nicht von vorne beginnen zu müssen, wäre es sinnvoll, alternative Trassen nicht völlig unter den Tisch fallen zu lassen. In das gleiche Horn blies abschließend auch Gerhard Ohlig. „Jetzt bestünde noch die Möglichkeit, die W 4 ins Verfahren einzubringen“, so der GrünenPolitiker. Wenn sich die Regionalversammlung auf die O2 fixiere, dann stehe man vielleicht bald wieder bei „null“.
(Odenwälder Zeitung, 16.02.2005)