„Kein Platz für Sieger- und Verliererdenken“
Grüne legen Vier-Punkte-Plan zur Verkehrsentwicklung vor
Mörlenbach. (-) „Was die Straßen-Verkehrssituation angeht, sitzen die Gemeinde Mörlenbach und das hintere Weschnitztal in einer Zwickmühle, aus der sie nur als Verlierer wieder herauskommen werden.“ Das ist das Fazit, das die Grünen Mörlenbachs aus den derzeit laufenden Entwicklungen ziehen.
Das Verhalten der relevanten politischen Mehrheiten in der Diskussion um die Erweiterungspläne des Mackenheimer Steinbruches zeige exemplarisch, wie wenig durchdacht und zukunftsfähig hier agiert werde. „Der engagierte Kampf, den die Bürger gegen die Erweiterung des Steinbruches führen, hat mitgeholfen, das Bewusstsein für die Verkehrssituation in Weiher zu sensibilisieren”, glauben die Grünen. In Verbindung mit der ebenfalls stark diskutierten Umgehungstraße B 38a sei Weiher mittlerweile quasi zu einem „gordischen Knoten“ geworden.
Die Problematik des LKW-Verkehrs und der Anschluss des Überwaldes nach Fertigstellung der O2 werde die Verkehrssituation in Weiher erheblich verschlechtern. Insbesondere der komplette LKW-Verkehr werde dann durch Weiher rollen, während die Kerngemeinde Mörlenbach durch die Umgehungsstraße von dieser Plage zukünftig verschont bleiben werde.
„Das haben mittlerweile alle Parteien erkannt und eingesehen“, so die Grünen. Der Antrag im Gemeindeparlament im letzten Jahre, die L 3409 auszubauen und Weiher damit zu entlasten, wurde einstimmig verabschiedet. Und auch der Antrag in der letzten Woche, die LKWS mit Tempo 30 durch die Mörlenbacher Ortschaften zu schleusen, entspringe diesem Bewusstseinswandel. Allein die Tatsache, dass aber an der grundsätzlichen Planung der Vorschlagsstraße O2 festgehalten wird, lasse den Schluss zu, dass die Anträge zur Entlastung Weihers nur „Schaufensteranträge“ sind. „Wären sie ehrlich gemeint und würde versucht werden eine bessere Lösung zu finden, hätte ein Proteststurm eingesetzt, als der hessische Verkehrsminister den Ausbau der L 3409 abgelehnt hat“, so die Grünen. Weder die Bürgermeister des Weschnitztals noch die bürgerlichen Parteien hätten sich dagegen öffentlich gewehrt.
„Die Forderung nach Tempo 30 wird wahrscheinlich ebenso abgelehnt werden und der vorgeschlagene Rückbau der Ortsdurchfahrt Weiher ändert ebenfalls nichts an der Tatsache, dass durch die O2 die Lebensqualität in Weiher deutlich abnehmen wird. Oder glaubt jemand tatsächlich, dass man es mit einer Lösung zu tun hat, wenn man eine Straße enger macht, den Durchfluss verlangsamt und die Verkehrsmenge verdoppelt?“, fragen die Grünen.
Von einer Maßnahme, die die Region bis weit nach 2100 in die Zukunft prägen wird, sei mehr zu fordern als ein „Gewinner- und Verliererdenken“. Der Vier-Punkte-Plan der Grünen für eine lebenswerte Gemeinde beinhalte den konsequenten Schutz der Menschen, Tiere und Natur in Verbindung mit einer notwendigen vernetzten Verkehrs-Infrastruktur und nicht nur eine Ortsumgehung von Mörlenbach.
Der Plan der Grünen: „Die L 3409 wird stufenweise und einvernehmlich (Rimbacher Gemeinde, Naturschutz, etc.) mit Landesmitteln ausgebaut; der Steinbruch-LKW-Verkehr wird mittels einer Stichstraße oder Lastenseilbahn von der L 3120 über die L 3409 abgeführt. Der Stein-bruchbetreiber beteiligt sich an den Kosten; die L3120 wird anschließend zur Kreisstraße heruntergestuft; Mörlenbach bekommt als Umgehungsvariante eine kurze Tunnelstrecke. Diese Finanzierung übernimmt der Bund.“
Die Realisierung dieser Punkte sei nicht unmöglich. Dafür bedürfe es aber der starken Unterstützung der beiden bürgerlichen Mehrheits-Parteien um einerseits die Landes- wie auch die Bundesregierung von diesen Vorteilen zu überzeugen. Und vor allem bedürfe es des Muts, die laufenden Planungen zu ändern.
(Odenwälder Zeitung, 09.02.2005)