Seit dem 27.01.2005 ist es amtlich: Die „Bürgerinitiative Weiher, Verein zur Förderung des Erhalts der heimatlichen Kultur- und Erholungslandschaft im Weschnitztal und vorderen Odenwald e.V.“ ist als neuer Verein beim Amtsgericht eingetragen. Der Verein soll nicht nur den klassischen Zweck einer Bürgerinitiative erfüllen, sondern darüber hinaus auch bei wichtigen Sachthemen informelle Schnittstelle zwischen Bürgern und kommunalen Institutionen, sowie der im Gemeindeparlament vertretenen Fraktionen sein. Die 16 Gründungsmitglieder sind Einwohner aus dem Ortsteil Weiher und Zotzenbach, teilweise bereits aktiv in der Arbeitsgemeinschaft Bürger für Weiher (abw), die bei den jüngsten Entwicklungen und Entscheidungen in der Kerngemeinde Mörlenbach die Interessen ihres Ortsteils nicht ausreichend berücksichtigt sehen. Selbst Abstimmungsergebnisse des Ortsbeirats Weiher, dem offiziellen Vertreter der Weiherer Bevölkerung, wurden in den Gremien der Kerngemeinde Mörlenbach lediglich zur Kenntnis genommen.
Die zwei zurzeit wichtigsten Themen für den Ortsteil Weiher in denen dies deutlich wird, sind ohne Zweifel die geplante Ortsumgehung Mörlenbach (B38 a) und die geplante und bereits genehmigte Erweiterung der Abbaumenge des Steinbruchs in Mackenheim. Die damit verbundene und schon jetzt für die Anwohner unerträgliche Verkehrsbelastung durch LKW, wird durch die jüngsten Beschlüsse zur Erweiterung für die Anwohner unzumutbar.
Wie es zur Gründungsinitiative kam, ist leicht zu erklären. Am 30.10.2003 fand im Bürgerhaus in Mörlenbach eine Bürgerversammlung statt, zu der auch das ASV (Amt für Straßen- und Verkehrswesen Heppenheim) anwesend war und über die beiden Trassenvarianten O2 (Ostumgehung) und W4 (Tunnelvariante) berichtete. Damals wurde von Seiten des ASV öffentlich die Aussage getätigt, dass nur eine der beiden Varianten in das Raumordnungsverfahren eingebracht werden könne. Die darauf folgenden Recherchen ergaben jedoch, dass dies nicht richtig war. Durch diese Aussage und den darauf folgenden Abstimmungen in den gemeindlichen Gremien, drängte sich natürlich die Vermutung auf, dass die alternative Variante W4 bewusst nicht eingebracht wurde, um dem Regierungspräsidium Darmstadt keine Alternative zur Empfehlung an die Regionalversammlung anzubieten. Wie das verfahrenstechnisch vorprogrammierte Abstimmungsergebnis der Regionalversammlung bei nur einem Vorschlag am 25.02.05 sein wird, ist dadurch bereits jetzt vorherzusehen.
Die deutlich bessere Bewertung der Tunnelvariante W4 in der Umweltverträglichkeitsstudie, aus städtebaulicher und ökologischer Sicht, wird also unberücksichtigt bleiben, obwohl die Tunnellösung W4 auch die wesentlich menschenfreundlichere Verkehrsabwicklung gewährleistet. Nach der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung am 14.10.2003, die von der Arbeitsgemeinschaft Bürger für Weiher (abw) veranstaltet wurde, sind in einer für Weiher beispiellosen Unterschriftenaktion eine Tunnellösung geleistet und an das Regierungspräsidium übergeben worden. Dies macht deutlich, dass ein starkes Interesse in der Bevölkerung besteht, der moderneren und umweltfreundlicheren Variante W4 den Vorzug zu geben. Für die BI Weiher ist es unbestritten, dass die Verkehrssituation in Mörlenbach dringend einer Entlastung bedarf. Dies muss aber einvernehmlich im Einklang mit Mensch und Natur erfolgen und unter Berücksichtigung aller betroffenen Ortsteile. Eine Lösung wie die O2, die im Falle der Realisierung durch die Anbindung am Stausee ein wesentlich höheres Verkehrsaufkommen in Weiher zur Folge hätte, ist für den Ortsteil Weiher nicht akzeptabel. Auch der mit dieser Variante verbundene, erhebliche zusätzliche Flächenverbrauch aufgrund des Trassenverlaufs durch ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete und wertvolle Ackerflächen, ist nicht akzeptabel. Dies ist nach Ansicht der BI Weiher e.V. nicht mehr zeitgemäß und wurde in einer am 08.09.2004 an das Regierungspräsidium übergebenen, 103 Seiten umfassenden Stellungnahme plus 34 Seiten Nachtrag ausführlich erläutert.
Nach mehreren belegbaren Versuchen, die im Gemeindeparlament vertretenen Fraktionen in Gesprächen über die Bedenken und Einwände der Weiherer Bevölkerung zu informieren, musste man bei der abw leider feststellen, dass einige der von der Bevölkerung gewählten Interessensvertreter keinerlei Verantwortung für Weiherer Interessen zeigten. Die größte im Gemeinderat vertretene Fraktion, die CDU Mörlenbach, lehnte jedenfalls ein Gesprächsangebot im Vorfeld der Abstimmung mit Schreiben vom 04.04.2003 ab, mit der Begründung , dass die hierfür aufzuwendende Zeit zu schade sei.
Die BI Weiher e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, eine Verkehrsentlastung für Mörlenbach zu erreichen, ohne den Ortsteil Weiher hierfür zu opfern. Dies kann nur durch eine Tunnellösung (W4) und einer damit verbundenen Verkehrslenkungsmaßnahme zur Entlastung des Weiherer Tals über die L 3409 für den Überwaldverkehr erfolgen.
Die zahlreichen Interessensbekundungen zur Unterstützung der Bürgerinitiative zeigen, dass hier weiterer Handlungsbedarf nicht nur besteht, sondern in der Bevölkerung ausdrücklich erwünscht ist. Die BI Weiher e.V. lädt daher alle interessierten Bürger der Großgemeinde Mörlenbach, zu einer Informationsveranstaltung am 21.02.05, 19:30 h, „Music Hall“ Weiher ein, um über die neuesten Fakten und Entwicklungen zu informieren.
(Odenwälder Zeitung, 09.02.2005)